Dieses Mal Whiskey Tasting und wieder was gelernt

Gestern gab es Tullamore Dew, den normalen „Original“, einen 10 jährigen Single Malt und einen 12 jährigen „Old Special Reserve“ Blend.
Den Original kenne ich seit Jahrzehnten, der gehörte zu Marinezeiten zu meiner zollfreien Monatsration 🙂 Ab und zu in der dekorativen Porzellanflasche.
Gestern gab es im Little Mary’s im Schnoor zum  warm werden ein kleines Glas vom Original mit trübem Apfelsaft, eine sehr gute Idee, das kommt in meine Longdrink Liste!

Nach eingehender Vorstellung der Distillery die keine ist, schon seit 1959 wird dort kein Alkohol mehr gebrannt, gab es dann den ersten Schluck Tullamore Dew Original. Den muss ich wohl nicht näher beschreiben, er ist schließlich schon lange auf dem Markt und bei einem Blend ist der Geschmack über die Jahre auch sehr gleich. Typischer irish Whiskey mit Malznote. Da kommt dann auch der erste Seitenhieb auf die Schotten deren Whisky eine Torfnote hat, „peat taste“ 🙂
Der Grund ist einfach, das Malz wird in Irland mit Heißluft getrocknet und nicht über einem Torffeuer gedörrt. Daher kommen auch keine Torfaromen in die Maische und von da in das Destillat.
Hinzu kommt, dass Tullamore Dew zum Teil aus dreifachen Destillaten besteht, also beinahe reines Ethanol, das seinen Geschmack dann überwiegend von den Fässern bekommt.
(Ich könnte hier jetzt einwerfen, dass ein Teil des Destillates für Tullamore Dew aus Mais mit geringen Gersteanteilen kommt. Aber das lass ich mal)
Also leiten wir zu den Fässern über. Tullamore Dew wird in zwei verschiedenen Fässern nacheinander gelagert, zuerst in gebrauchten Burbon Fässern und dann in gebrauchten Sherry Fässern. Da die Fässer dem Destillat den Geschmack geben, können die nur ein Mal verwendet werden. Ähnlich wie bei einem Teebeutel, der zweite Aufguss schmeckt irgendwie nicht wirklich nach Tee, auch nicht wenn man ihn doppelt so lange ziehen lässt.
Bei Burbon Fässern ist das relativ einfach, Burbon darf nur in neuen Fässern gelagert werden und der hat so viel Absatz, dass reichlich gebrauchte Fässer auf dem Markt sind. Schwierig ist es bei Sherry. Inzwischen ist es so, dass die Whisky(e)y Hersteller eigens Sherry anbauen lassen um an die Fässer zu kommen, der Wein wird dann zu Essig weiter verarbeitet.
(hier könnte ich jetzt einwerfen, dass es bei einem dreifachen Destillat völlig egal ist woraus der Alkohol ursprünglich stammt, Geschmacksstoffe sind da nicht mehr drin, also könnte der Grundstoff statt aus Mais mit ein bisschen Gerste auch aus Sherry kommen)
Nach dieser Überleitung und ein paar Stücken von verschiedenen Fässern zum schnüffeln kam dann der 10 jährige Single Malt in die Gläser. Das Zeugs ist gar nicht so übel, ganz lecker. Richtig Single Malt, also ohne Mais und so, und alles aus einer Pot Still die mehr Aromastoffe im Destillat belässt als eine Column Still. Also eine intensivere Malzsnote ohne den shottischen Torfgeschmack 🙂
Kann man sich merken wenn man mal ein schönes Glas Whiskey trinken will, gern auch mit einem Schlückchen Wasser dazu, so 3:1 oder 2:1 Whiskey:Wasser.
Bevor ich jetzt um 12 jährigen komme, muss ich doch noch mal auf die Aromen zu sprechen kommen die die Experten da rausschmecken. Torf und Rauch kriege ich ja noch mit, auch die Lagerung im Fass, wenn ich dann auch nicht unbedingt sagen kann ob es mal mit Sherry oder Burbon gefüllt war. Olivenöl würde ich vielleicht bemerken 🙂
Aber die besondere Eigenschaft des 12 Jährigen ist sein „weihnachtlicher Früchtekuchen“ Geschmack. Was zur Hölle ist weihnachtlicher Früchtekuchen? Jep, genau! Der typische amerikanische Fruitcake den die zu Weihnachten backen. Ich vermute jetzt mal, der schmeckt wie 12 jähriger irischer Whiskey, ich hab diesen Kuchen noch nie gegessen 🙂
Zurück zum Geschmack wie ich ihn erlebe, ja, nett. Ähnlich wie der Original aber etwas runder und weniger Kopfschütteleffekt beim trinken. Also nicht so der Alkohol „Geschmack“. Kein Wunder, der ist ja auch doppelt so lange im Fass gewesen und viel von den ehemaligen Spritaromen sind verdunstet, was bleibt ist dann wesentlich runder als der jüngere Whiskey.
Fazit, der 10 jährige ist echt lecker, mit einem Schlückchen Wasser ist er bestens, der Original ist immer noch ok und man kann den gut trinken, mit Apfelsaft oder mit Kaffee ist der richtig fein. Whiskey Cola war nie mein Ding, da gehört Rum rein :). Der 12 jährige ist an mich verschwendet, den überlasse ich den Kennern von weihnachtlichem Früchtekuchen.

 

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